Zwei große Namen der Weltgeschichte. Wirklich viel weiß ich über beide Menschen nicht. Aber von beiden ist bei mir eine Wesensart hängengeblieben, welche ich im folgenden Artikel kurz vorstellen möchte. Dabei will ich beleuchten, ob die beiden relevanten Aussagen von Albert Einstein und Thomas Edison wirklich im Kontrast zueinanderstehen („vs.“) oder ob sich hier sogar eine Gemeinsamkeit ergibt. Wenn ich im Laufe dieses Artikels auf diesen Zusammenhang tatsächlich eine Antwort finden sollte, dann wäre dies ein guter Schritt.

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AUTOR

Martin

Veröffentlicht am

February 22, 2023

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Sowohl Albert Einstein als auch Thomas Edison gelten als große Forscher ihrer Zeit. Kluge Gedanken, ein hohes Assoziationsvermögen sowie eine hohe Vorstellungskraft von dem was möglich ist scheint beide Männer ausgezeichnet zu haben. Ob dies wirklich die wichtigsten Charaktereigenschaften dieser beiden Menschen waren ist mir nicht bekannt. Aber diese drei Merkmale fallen mir gerade spontan ein. Ich halte es für nicht sehr wahrscheinlich, dass sowohl Einstein als auch Edison auf ihren Gebieten ohne diese erwähnten Merkmale die ihnen zustehenden Leistungen erbringen konnten. Und gerade weil Persönlichkeiten so vielschichtig sind möchte ich eigentlich generell darauf verzichten, den Erfolg einer einzelnen Person an einem einzigen Charakteristikum festzumachen. Wenn es eine Eigenschaft einiger erfolgreicher Menschen ist, jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen, warum sind dann trotzdem immer noch so viele Menschen nicht erfolgreich, obwohl sie ebenfalls um 5 Uhr aufstehen? Und wie viele Menschen sind trotzdem erfolgreich geworden, obwohl sie erst mittags angefangen haben zu arbeiten?

Viel zu umfangreich erscheint mir daher das Spektrum der zahlreichen Einflussfaktoren, welche zum Erfolg führen und demzufolge viel zu simpel erscheint mir die Reduktion auf das eine „magische Kernelement“, welches sich durch geschicktes Marketing in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat. So auch bei mir. Jedenfalls verbinde ich jeweils mit Einstein und Edison ein solches „Kernelement“. Und zahlreiche Beobachtungen innerhalb meines eigenen Alltags verbunden mit praktischen Erfahrungen lassen in mir die Vermutung aufkommen, dass an beiden Elementen bzw. Wesensmerkmalen tatsächlich etwas dran ist. Beginnen möchte ich daher mit dem prägenden Spruch, den jeder Mensch, der sich schon einmal länger als fünf Minuten mit dem Wirken von Albert Einstein beschäftigt hat, schon einmal gehört hat:

„Die Definition von Wahnsinn ist, jedes Mal das exakt Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten“.

Finde ich super. Der Spruch gefällt mir richtig gut. Ich meine das ohne jegliche Ironie. Der Spruch leuchtet mir instinktiv sofort ein, sodass es mir sogar schwerfällt, die Sinnhaftigkeit des Spruches noch einmal zu erläutern. Genau aus dem Grund haben sich „die großen Statements“ erfolgreicher Menschen ja durchgesetzt – weil sie eben keiner weiteren Erklärung bedürfen: Wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert, dann wäre es töricht bzw. „Wahnsinn“, in exakt dem gleichen Setting weiterzumachen, da kein anderes Ergebnis zu erwarten sei. Zumindest eine kleine Stellschraube solle man beim zweiten Versuch ändern, und schon hat man wieder eine realistische Chance, dass sich beim nächsten Versuch das gewünschte Ergebnis einstellt. Was aber hingegen ist über Thomas Edison bekannt?

„Es benötigte 10, 100, ja gar 1.000 Versuche, doch die Glühbirne wollte einfach nicht brennen. Erst beim 10.000 Mal (Hinweis: die Zahlen sind frei erfunden) war es plötzlich geschehen – die Birne brannte.“

Über Thomas Edison hat sich in der Geschichtserzählung durchgesetzt, dass er ein sehr beharrlicher Mensch gewesen sein muss. Immer und immer wieder soll er versucht haben, den Draht innerhalb der Glühbirne zum Glimmen zu bringen. Hierfür scheint er eine exorbitant hohe Anzahl an Versuchen unternommen zu haben. Solange, bis es schließlich funktionierte. Die alles entscheidende Frage ist jetzt aber: Wie hat Thomas Edison das gemacht? Hat er tausende Male das exakt gleiche Experiment durchgeführt (was Albert Einstein als „wahnsinnig“ bezeichnen würde)? Oder hat er bei jedem neuen Versuch das Setting um eine kleine Stellschraube verändert, unter der Annahme, dass es mit den vorherigen Einstellungen ja nicht funktioniert hat, wodurch er zwingend etwas ändern müsse? Oder aber hat er doch das Setting nie verändert, sondern der Draht musste in der Glühbirne lediglich einige tausend Male unter den exakt gleichen Bedingungen warmlaufen, bis er dann schließlich beim x-ten Versuch zu glimmen beginnen konnte? Wenn Letzteres stimmt, dann wäre es töricht gewesen, etwas zu verändern. Daher kommt hier mein erster Kritikpunkt an Albert Einstein´s Aussage.

Wenn man ein neues Instrument lernt (z. B. Gitarre), dann erfordert es am Anfang etwas Übung, die Saiten sauber in die Bünde zu drücken, da sich die Haut noch nicht an die oftmals harten und kalten Stahlsaiten gewöhnt hat. Um diese Übung schließlich zu meistern muss man aber eigentlich gar nichts verändern. Man muss die Übung lediglich in regelmäßigen Abständen durchführen und zwar solange, bis sich die Haut an die Saiten gewöhnt hat. Ab diesem Zeitpunkt funktioniert das Drücken der Saiten in die Bünde erstaunlich gut. Ich setze hierbei voraus, dass man beim ersten Versuch nicht eine völlig falsche Technik verwendet hat. Aber es ist ganz normal, dass sich Gitarrensaiten an die Haut der Fingerkuppen erst gewöhnen müssen. D. h. wenn man zum allerersten Mal mit etwas Druck versucht, eine Gitarrensaite in einen Bund zu drücken dann tut das wahrscheinlich ein kleines bisschen weh. Wenn man am nächsten Tag mit exakt dem gleichen Druck wieder die Saite in den Bund drückt, dann wird dies im Regelfall schon deutlich angenehmer vonstattengehen, und zwar ohne, dass man selber aktiv etwas geändert hat. Am zweiten Tag bereits sollte man die Saite problemlos und schmerzfrei in den Bund drücken können. Die kurzen Pausen zwischen den Tagen haben der Haut der Fingerkuppen geholfen sich zu regenerieren und eine Art Schutzschild aufzubauen, welcher das Drücken der Saiten fortan unterstützt.

Trotzdem ist ein Teil von Einstein´s Aussage hier weiterhin wahr: Mit exakt dem gleichen Setting (also ohne den sich bildenden Schutzschild auf den Fingerkuppen) wird das Drücken der Saiten immer noch schmerzhaft sein. Einstein hat also Recht, wenn er behauptet, dass sich am Setting etwas ändern muss. Der Punkt ist jedoch, dass diese Änderung nicht von uns aktiv und bewusst herbeigeführt wird (was wohl der ursprünglichen Idee von Einstein´s Aussage entspricht), sondern es hat ein passiver Transformationsprozess innerhalb des Settings stattgefunden, d. H. die Rahmenbedingungen (in diesem Fall die körperliche Beschaffenheit der Fingerkuppen) haben sich innerhalb der Pausen zwischen den Tagen ohne unser aktives Zutun derart verändert, dass wir ab dem zweiten Tag das gewünschte Resultat erzielen (schmerzfreies Drücken der Saiten in den Bund). Ein aktives Eingreifen bzw. ein Verändern der Technik unsererseits ist gar nicht notwendig. Wir müssen nur beharrlich (Edison) sein und den Dingen die Zeit geben die sie benötigen.

In diesem Zusammenhang also stelle ich mir die Frage: Was ist Beharrlichkeit und was ist falscher Ehrgeiz? Wann sollte man „dranbleiben“ und wann sollte man sich einer neuen Tätigkeit oder auch einer neuen Umgebung widmen? Wann muss man aktiv in seine Umgebung eingreifen (Einstein) und wann ist es die richtige Einstellung, auf ein passives Zutun zu vertrauen, welches unbewusst in unsere Umgebung eingreift und sich dadurch etwas zum Positiven ändert?

Passend dazu fällt mir noch ein zweites Beispiel ein. Nehmen wir an, ein Fußballspieler wäre in der Lage, beim Elfmeter den Ball mit exakt der gleichen Kraft sowie in exakt dem gleichen Winkel mehrere Male hintereinander auf das Tor zu schießen mit dem Ziel, den Ball perfekt im oberen rechten Winkel zu platzieren. Selbst wenn der Fußballspieler nun also immer wieder die „perfekte“ Technik ausführt, so kann es trotzdem passieren, dass zwei Sekunden, bevor der Ball den rechten Winkel erreicht, ein kurzer aber spürbarer Windstoß erfolgt, welcher den Ball nicht in den rechten Winkel, sondern hauchdünn über die Latte ins Toraus befördert.

Auch an dieser Stelle lässt sich Einstein´s Aussage kritisieren: Der Fußballspieler führt jedes Mal die exakt gleiche Technik aus, welche bei Windstille zu dem gewünschten Ergebnis führt. Der Fußballspieler ist also nicht „wahnsinnig“. Er hat seine Technik solange verändert, bis er die „perfekte“ Technik für das Platzieren des Balls in den Winkel gefunden hat. Trotzdem kann diese „perfekte“ Technik ein anderes Ergebnis zur Folge haben, nämlich dann, wenn sich durch einen externen Einfluss (z. B. ein kurzer Windstoß) die Rahmenbedingungen ändern. Obwohl nun der Fußballspieler eigentlich alles richtigmacht, so wird er aufgrund eines externen Effektes, auf welches er keinen Einfluss hat, sein Ziel (den rechten Winkel) verfehlen. Der Fußballspieler macht also „exakt das Gleiche“, aber trotzdem stellt sich ein anderes Ergebnis ein (Windstille: Ball geht in´s Tor vs. Windstoß: Ball fliegt über das Tor). Laut Einstein wäre der Fußballspieler, welcher nun behauptet, den Ball exakt wie in den vorherigen Versuchen geschossen zu haben, wahnsinnig. Wenn du den Ball immer wieder auf die gleiche Art und Weise schießt, dann muss er auch immer an der gleichen Stelle am Tor eintreffen, würde Einstein sagen. Falsch.

In diesem Zusammenhang lässt sich Einstein´s Aussage lediglich darauf beziehen, was in der Hand des Möglichen bzw. des Machbaren des Einzelnen liegt. Hier muss durch das permanente Anpassen der Stellschrauben irgendwann ein Setting gefunden werden, welches das gewünschte Ergebnis erzielt. Hat man dieses Setting gefunden, dann sind die äußeren Einflussfaktoren das, was man im alltäglichen Sprachgebrauch wohl als „Glück“ bezeichnet. D. h. ein bestimmter Stil eines Fußballspielers muss auch in die Zeit passen, in der der Fußballspieler seine aktive Karriere bestreitet. Auf diese äußere Rahmenbedingung (also welcher Spielstil gerade vorherrschend ist) hat der einzelne Fußballspieler wenig bis gar keinen Einfluss. Es sei denn, man wird zum Pionier und entwickelt etwas völlig Neues, was dann von allen anderen adaptiert wird. Hierfür scheint es aber notwendig zu sein, etwas zu entwickeln bzw. zu entdecken (was der Begriff „Pionier“ ja beinhaltet), was es vorher so noch nicht gab. Es ist also unwahrscheinlich, dass sich die Art und Weise, wie in den 50er und 60er-Jahren international Fußball gespielt wurde, genauso und auf exakt diese Art und Weise noch einmal wiederholen wird. Wer also aufgrund seines Charakters, seiner Persönlichkeit sowie seines Körperbaus immer noch zu einem veralteten Stil neigt, der wäre damals wahrscheinlich ein großer Star geworden, wohingegen in der aktuellen Zeit diese Leistung nicht mehr honoriert wird. Hier nützt dann wahrscheinlich Beharrlichkeit auch nicht viel. Im Gegenzug kann der Begriff „falscher Ehrgeiz“ wohl für diesen Spezialfall als gültig angesehen werden.

So interessant ich diese Thematik finde und so wenig ich das Gefühl habe, diese Thematik in diesem Artikel ausreichend beschrieben zu haben, so will ich nun doch ein Fazit ziehen, welches sich aus den hier genannten Erläuterungen ableiten lässt. Es ist in jedem Fall richtig und wichtig, nach einem ersten Fehlversuch nicht gleich aufzugeben. Entweder es hat nicht funktioniert, weil man selber aktiv einen Fehler gemacht hat oder es hat nicht funktioniert, weil die äußeren Rahmenbedingungen nicht gepasst haben. Die Herausforderung liegt darin, ab welchem Zeitpunkt man einen Misserfolg dem eigenen Fehlverhalten oder dem Vorhandensein von ungünstigen Rahmenbedingungen zuschreiben kann. Wer ohne Internetverbindung in einer einsamen Holzhütte im finsteren Wald Musik produziert, der mag vielleicht objektiv betrachtet ein guter Produzent sein, aber er leidet definitiv an ungünstigen Rahmenbedingungen, falls er sich zum Ziel gesetzt hat, seine Werke einer Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ich bin mir bewusst, dass dieses Beispiel einen Extremfall darstellt. Aber ich mag es, Dinge klar zu benennen, und seien es auch die Extreme. Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg im beharrlichen Abtasten. Erstmal einen kleinen Zeh in´s Wasser stecken. Wenn sich das Wasser nicht zu heiß und nicht zu kalt anfühlt dann kann man den ganzen Fuß hineinstecken. Und wenn sich das immer noch irgendwie okay anfühlt dann ist es wahrscheinlich vertretbar, für einen kurzen Moment das Gleichgewicht zu verlieren und mit dem gesamten Körper ins Wasser zu plumpsen. Anschließend kann man ein bisschen schwimmen. Dabei kann man dann auch prima umhergucken und die Rahmenbedingungen analysieren.