Im folgenden Artikel möchte ich zwei Prinzipien thematisieren, mit denen man im Zuge der Umsetzung von Projekten oder sonstigen Arbeiten in Berührung kommt. Sicherlich hast du beide Begriffe schon einmal gehört. Nämlich Produktivität und Effektivität. Man könnte diese beiden Begriffe noch um viele weitere ergänzen (z. B. Effizienz, Wertschöpfung etc.) und die Thematik damit in einem größeren Umfang behandeln. Allerdings handelt es sich bei diesen weiteren Begriffen bereits um die „zweite Stufe“. Wer weder produktiv ist noch effektiv handelt der erreicht die Stufen der Effizienz sowie der Wertschöpfung gar nicht. Daher folgt nun ein grundlegender Einblick in die Vorgehensweise „menschlichen Schaffens“.

In diesem Zusammenhang ist es mir wieder wichtig, mein Verständnis der beiden Begriffe darzulegen. Dies mache ich vor dem Hintergrund, als dass man beide Begriffe aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann (z. B. wirtschaftswissenschaftlich, mathematisch, aber auch ganz einfach „umgangssprachlich“). Bei Produktivität sowie Effektivität denkt man im ersten Moment mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einmal an einen wirtschaftlichen Zusammenhang. Jedoch besitzen beide Begriffe auch bei der Projektumsetzung einen hohen Stellenwert. Im Gegensatz zu einer z. B. wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtung ist es jedoch nicht mein Anliegen, Produktivität und Effektivität exakt zu „messen“ und mit einer Kennzahl zu versehen. Für mich persönlich bedeutet produktiv sein zuerst einmal, dass ich bezogen auf ein kreatives Projekt etwas „mache“. D. h. ich betätige mich mit einem der vielen kleinen Teilaufgaben welche für das Ziel des Projektes umgesetzt werden müssen. Wenn ich also für einen Song den ich geschrieben habe mittels einer Software sowie meinem Gehör das richtige Songtempo identifiziere, dann bin ich produktiv. Bzgl. Effektivität scheint sich im alltäglichen Sprachgebrauch folgende Definition durchgesetzt zu haben: Effektiv sein bedeutet, sich den richtigen Tätigkeiten zu widmen. Mit dieser Definition kann ich mich gut anfreunden, denn sie lenkt den Fokus auf das Wesentliche. Denn die wichtige Lehre ist recht einfach zu ziehen: Wenn man sich den „falschen“ Tätigkeiten widmet, dann bringt einem die höchste „Produktivitätsrate“ nichts.
Beide Begriffe sind in meinem Bewusstsein aufgetaucht, da ich mich einer Vielzahl von Projekten und Aufgaben widme. Und jeder Themenbereich besteht wiederum aus vielen kleinen Einzelaufgaben, wodurch sich eine hohe Dichte an verschiedenen Projektschritten ergibt, an denen man arbeiten kann. Die „Falle“ hierbei besteht darin, dass man mit manchen Projektschritten „zu viel“ und mit anderen Themenbereichen wiederum „zu wenig“ Zeit verbringt. Die Möglichkeit in die Falle zu tappen besteht beispielsweise dadurch, dass kreative Projekte nicht zwingend linear ablaufen. Wenn man z. B. einen neuen Song schreibt, dann ist es vollkommen egal, ob man zuerst eine Idee für einen Text hat, eine Melodie oder einen Refrain. Wenn man erkennt, dass sich nach einiger Zeit ein gewisser Standard eingestellt hat (d. H. man fängt grundsätzlich immer zuerst mit einer musikalischen Idee an), dann läuft man „Gefahr“, dass man verhältnismäßig viel Musik schreibt, aber keine Texte. Da ein Song aber aus beidem besteht könnte man das Verhältnis von Musik zu Text dann als „kreatives Missverhältnis“ bezeichnen. Fertige Songs entstehen jedoch nur, wenn man zu der Musik auch einen Text anfertigt. Und hierfür benötigt es Zeit. In dem vorherigen Satz habe ich das Wort „Gefahr“ deswegen in Klammern gesetzt, da es nicht unbedingt „gefährlich“ ist, wenn man überproportional viele musikalische Ideen produziert. Ich sehe es aber dann als eine Gefahr an, wenn man hierdurch die Textarbeit vernachlässigt. Dieses Missverhältnis ist zwar zweifelsfrei ein Hinweis auf Produktivität, aber keineswegs für Effektivität.
Und damit komme ich zum Punkt: Wann bin ich effektiv? Welche Tätigkeiten sind für das Vorankommen sowie für die Zielerreichung meines Projektes wirklich relevant? Ich habe generell den Eindruck, dass man dazu neigt, Dinge, für die man sich nicht überwinden muss, öfters zu machen als Dinge, die etwas mehr (geistige oder körperliche) Anstrengung erfordern. Dies stellt voraussichtlich kein Geheimwissen dar. Diesen Zusammenhang werden viele schon einmal an sich selber beobachtet haben. Im Endeffekt ist es jedoch eine triviale Erkenntnis: Wenn all die großartigen künstlerischen Leistungen lediglich dadurch entstanden wären, in dem es ausreichend wäre, ausschließlich die spaßigen Schritte umzusetzen, dann würde jedes Projekt eines jeden einzelnen zu einem Meisterwerk. Und damit würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Beachtung finden, da ja ein jeder anderer ebenfalls dazu in der Lage wäre, dasselbe Ergebnis zu erzielen. Und so komme ich zu der Erkenntnis, dass Dinge, die mir wichtig sind und welche sich von anderen unterscheiden sollen, einen gewissen Grad an Schmerz erfordern. Als positiv sehe ich die Tatsache, dass ich grundsätzlich selber entscheiden kann, ob ich mich einem neuen Projekt oder einer neuen Aufgabe widmen möchte. Und vor diesem Hintergrund gibt es keine wirkliche Legitimation sich über den Schmerz dann zu beschweren. Niemand zwingt mich dazu, kreativ tätig zu sein. Und deswegen sehe ich den hier thematisierten Schmerz auch nicht als etwas Schlimmes an. Es soll lediglich thematisiert werden, dass die Umsetzung einer kreativen Idee nicht immer im „Flow“ passiert und dass viele Kleinigkeiten „erarbeitet“ werden müssen.
Effektiv zu sein bedeutet also auch, seine Zeit mit den schmerzhaften Stellen zu verbringen. Produktiv zu sein ist relativ einfach. Effektiv zu sein jedoch bedeutet Überwindung, bedeutet, sich dem Schmerz zu stellen, durch ihn hindurchzugehen um somit den nicht spaßigen, aber zwingend relevanten Themenbereich abzuschließen welcher für die Zielerreichung des Projektes notwendig ist. Dieser Zusammenhang ist mir vor allem wieder deutlich geworden, als ich mir den Status eines Albums angesehen habe, für welches ich 16 Songs mit deutschen Texten ausgewählt habe und welches sich dem Genre „Hip-Hop/Rap“ zuordnen lässt. Von den 16 Songs habe ich für zwei Songs den Text noch nicht fertiggestellt. Ich habe mich jedoch dabei erwischt, wie ich mir immer und immer wieder sämtliche Beats des Albums angehört habe anstatt fokussiert an der Fertigstellung der beiden Texte zu arbeiten. Auch in diesem Fall war ich zwar produktiv, denn das Anhören der Beats sowie das gleichzeitige Durchgehen des Textes ist wichtig um ein Gefühl für den fertigen Song zu erhalten. Effektiv wäre es jedoch, die Texte für die beiden unfertigen Songs fertigzustellen, da ich das Album nur aufnehmen kann, wenn sämtliche Musik mit Text versehen ist. Ich kann mir die anderen Songs so oft anhören wie ich möchte (vielleicht wirst du schon rausgelesen haben, dass das etwas ist was eher der spaßigen Seite zuzuordnen ist), aber dadurch wird das Album nicht fertig. Mein Ziel ist die Veröffentlichung des Albums. Wenn ich jedoch nicht bereit bin mich dem „Schmerz“ zu stellen dann wird das nicht passieren.
Als ein kleines Hilfsmittel habe ich mir nun die Titel der beiden Songs als Notiz auf dem Smartphone gespeichert. Ich werde diese Notiz erst löschen, wenn die beiden zugehörigen Texte fertig sind. An gleicher Stelle habe ich auch einige englischsprachige Songs notiert, welche ich erst dann live spielen kann, wenn der Text fertig ist. Ich finde es wichtig, auch solche „banalen“ Erkenntnisse zu benennen. Um Dinge umzusetzen, die mir wichtig sind (Veröffentlichung des Albums, live spielen) muss ich meinen Fokus auf die richtigen Dinge setzen. Und das bedeutet effektiv zu sein und nicht ausschließlich produktiv. Ich glaube, dass meine hohe Produktivitätsrate u. a. dadurch entspringt, dass ich mich vor einigen Jahren intensiv mit dem Thema Kreativität beschäftigt habe. Seitdem habe ich eine Vielzahl an Ideen entwickelt. Die Betonung liegt hier jedoch auf dem Wort „Idee“. In dem Satz fehlt nämlich das Wort „umgesetzt“. Aufgabe wird es sein, die Kreativität nun in andere Bahnen zu lenken. Wenn ich den Anspruch an mich habe, dass ich eine Vielzahl an Ideen entwickeln konnte dann sollte es mir ja eigentlich leicht fallen mir etwas auszudenken um meine Musik zielgerichtet zu promoten.
