Vielleicht hast du in deinem Kopf gerade ein ganz bestimmtes Projekt welches du gerne umsetzen möchtest. Aber du kommst einfach nicht in´s Tun. Ohne jetzt allzu tiefenpsychologisch die Hintergründe dafür zu analysieren so will ich an dieser Stelle ein paar Gründe darlegen, die dafürsprechen, warum du einfach anfangen solltest. In diesem Zusammenhang will ich auch Gründe ansprechen, die dich eventuell vom Tun abhalten und entsprechende Gegenargumente geben.

Generell ist das Verhalten, etwas Bestimmtes erstmal nicht umzusetzen, im Menschen tief verankert und kann daher als „normal“ betrachtet werden. Mir ist es daher direkt zu Anfang an wichtig zu betonen, dass „Prokrastination“ (also die Neigung gewisse Dinge immer wieder auf- und hinauszuschieben) nichts Krankhaftes ist. In der allgemeinen Psychologie gilt es als bestätigt, dass Menschen generell dazu neigen, mehr Energie dafür aufzuwenden den aktuellen Ist-Zustand (also den „Status-Quo“) beizubehalten anstatt die Situation grundlegend zu ändern. Das ganz bestimmte Projekt, welches du gerne umsetzen möchtest, wird dich nämlich auf jeden Fall von deinem aktuellen Ist-Zustand entfernen. Und das bereits sobald du den ersten Schritt gemacht hast.
Ich sehe dies als einen Grund an warum der Anfang manchmal schwerfällt: Denn bereits mit dem ersten Schritt den du bzgl. deines neuen Projektes umsetzt bzw. gehst befindest du dich auf der „anderen Seite“. Ich will nicht behaupten, dass sich deine Persönlichkeit grundlegend ändert, aber du musst dir bewusst sein, dass du dich bereits mit dem ersten Schritt in gewisser Weise von deinem aktuellen „Selbst“, also so wie du jetzt gerade bist, entfernen wirst. Dies ist vergleichbar mit der Tatsache, dass z. B. viele Menschen es unterlassen in ein anderes Land zu fahren, weil sie Angst davor haben als „neuer Mensch“ nach Hause zu kommen. Die Vorgehensweise, ständig sein aktuelles „Selbst“ in Frage zu stellen und verändern zu wollen ist somit wie oben bereits erläutert nichts, was von unserem Unterbewusstsein gefördert wird, sondern eher im Gegenteil. Wenn du genug zu essen hast und ein Dach über dem Kopf hast dann gibt es objektiv betrachtet keinen Grund warum du dich von deinem aktuellen Zustand entfernen solltest. Die Natur sichert damit das menschliche Überleben und versucht uns vor zu großen Risiken zu schützen welche deine Existenz gefährden könnten. Jeder kleine Schritt also, mit dem du dich von deinem jetzigen komfortablen Ist-Zustand entfernst, birgt das Potential, dass dein Unterbewusstsein dir Signale sendet und auf drohende Gefahren hinweist.
Mir ist es wichtig zu betonen, dass ich kein ausgebildeter Psychologe bin. Ich beschreibe hier ausschließlich einen Sachverhalt, welchen ich nach einigem Reflektieren und auf gewisse Situationen bezogen als für mich selber gültig annehme. Ich schreibe hier über mein eigenes praktisches Handeln und darüber was für mich nach Reflexion über dieses Handeln „Sinn“ ergibt.
Man kann aber auch beobachten, dass es Menschen gibt, die es erfolgreich schaffen, diese „drohenden Gefahren“ richtig einzuordnen. Denn alle Produkte, die wir tagtäglich nutzen sowie alle Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen sind das Ergebnis davon, dass Menschen erfolgreich etwas in die Tat umgesetzt haben. Wenn sich in der Vergangenheit nicht extrem viele Menschen von Ihrem damaligen Ist-Zustand entfernt hätten um etwas Neues zu wagen, dann wäre ich heute ein vollkommen anderer Mensch. Ich müsste auf all den technologischen Fortschritt verzichten, ich müsste mit viel weniger Komfort auskommen und müsste wahrscheinlich in allen Bereichen meines Lebens extrem viel mehr leisten um das gleiche Ergebnis zu erhalten wie ich es heute erreichen kann. Das Wichtigste ist also zu erkennen, welche Gefahr „real“ ist und ernst genommen werden sollte und welche „Gefahr“ ein Überbleibsel aus der Natur ist, längst aber keine echte Gefahr mehr darstellt.
Lass mich im Folgenden einige Punkte darlegen, welche von deinem Unterbewusstsein als „Gefahr“ gekennzeichnet werden und die dir beim Start deines Projektes zugespielt werden könnten:
- Die Angst, das was du umsetzt nicht „gut genug“ zu machen
- Die Angst vor dem unbekannten Neuland, dass zweifelsfrei eintritt, sobald du deinen jetzigen Ist-Zustand verlässt
- Die Angst, dass das was du tust überwiegend auf negatives Feedback stoßen wird, wodurch dein gesellschaftlicher Status in Gefahr geraten kann
- Die Tatsache, dass du am Ball bleiben bzw. dranbleiben musst, wenn sich innerhalb deines Projektes erste Erfolge ergeben –> das erfordert Energie und Disziplin, also etwas, was vom Organismus nicht unbedingt immer und zu jeder Zeit in den höchsten Dosen bereitgestellt wird
Dies sind einige Gründe welche mir gerade einfallen. Ich will die Liste jedoch nicht zu lang werden lassen. Vielmehr will ich ausführlicher auf die genannten Gründe eingehen um dir nachvollziehbar darzulegen wie du die genannten Gründe erfolgreich umgehst, sodass sie dich nicht von der Umsetzung deines Projektes abhalten.
Der erste Punkt, also das die Qualität deines ersten Schrittes wahrscheinlich noch nicht auf allzu hohem Niveau ist, ist offen gesagt vollkommen vernachlässigbar. Ich will diesen Punkt gerne direkt mit dem zweiten Punkt verbinden, denn ich erkenne hier einen Fehler bzw. einen Trugschluss welcher mir immer wieder begegnet ist. Wenn ich mit dem ersten Schritt eine minderwertige Qualität abliefere (z. B. der Blog sieht noch nicht professionell aus, dem Online-Shop fehlen noch elementare Grundfunktionen etc.) dann unterliegt man der Fehlannahme, dass alle Menschen auf diesem Planeten das sofort mitbekommen und sich daher sofort wieder von dir abwenden werden. Das stimmt nicht. Wenn du den ersten Schritt gehst (einen Blog startest, einen Online-Shop aufsetzt, einen Song im Internet veröffentlichst, eine Kollektion veröffentlichen willst etc.) dann bekommt deinen ersten Schritt NIEMAND mit. Man unterliegt hier dem Trugschluss (resultierend aus der Hoffnung), dass dein erstes Resultat sofort und in Windeseile von jedem bemerkt wird. Dies wird in den allerseltensten Fällen passieren. Wenn das passiert, dann bist du in Wahrheit davor schon sehr viele kleine Schritte gegangen und hast bereits „angefangen“. Dann ist dieser Vorgang lediglich das Resultat deiner vielen bereits gegangenen Schritte. Ich rede hier davon, dass du etwas startest in einem Bereich, wo dich niemand kennt, wo niemand deinen Markennamen kennt, wo dich auf Deutsch gesagt voraussichtlich auch niemand vermisst und deswegen auch nicht auf der Suche ist nach dir. Was vielleicht vermisst wird ist der Inhalt den du beizutragen hast, aber solange dieser Inhalt nicht mit deinem Namen verbunden ist und solange deinen Namen niemand kennt (was Tatsache ist sobald du in einen neuen Bereich einsteigst) dann wird NIEMAND mitbekommen, dass du gestartet bist. Du kannst diesen in diesem Sinne positiven Punkt auch noch erweitern, indem du darauf verzichtest, dir Feedback von Freunden einzuholen. Du kannst niemanden davon abhalten, dass er oder sie dir ungefragt seine oder ihre Meinung mitteilt. Aber sobald du deinen ersten Schritt mit jemand anderem teilst dann musst du damit rechnen, dass du eine Meinung zu deinem Tun erhalten wirst und es kann ganz schnell passieren, dass du anfängst dich dann zu rechtfertigen. Dies kann sowohl bei positivem als auch bei negativen Feedback der Fall sein. Es kann auch sein, dass du bei positivem Feedback wieder aufhörst, da du ja bereits dir und deinem Mitmenschen etwas Gutes getan hast (er oder sie freut sich über das was du erstellt hast und dir reicht diese erste Anerkennung vollkommen aus und du hast daher bereits alles erreicht). Wenn du folgerichtig also darauf verzichtest, dir zu früh Feedback einzuholen, dann hast du viel mehr Energie um dich auf deine ersten Schritte zu konzentrieren. Du kannst weiter vollkommen unbeobachtet und ungestört an deiner Qualität arbeiten und dein Projekt in Ruhe insgesamt verbessern. Demnach ist auch kein gesellschaftlicher Status in Gefahr, was mich nun zu Punkt 3 bringt.
Damit eine breite Öffentlichkeit von deinem Projekt erfährt, muss du von den beiden Komponenten Zeit und Geld entweder von einem extrem viel oder von beiden mindestens überdurchschnittlich viel in sogenanntes Marketing und Promotion investieren. Die meisten Produkte, die wir nutzen, sind in unseren Wahrnehmungsbereich eingedrungen, weil sie uns beworben wurden und nicht, weil wir sie aktiv nachgefragt haben. Die allerwenigsten Menschen auf dieser Welt wollten ein iPhone haben. Durch sehr gutes Marketing in Verbindung mit einem herausragenden Produkt konnte allerdings eine Nachfrage erschaffen werden, welche seinesgleichen sucht. Dies bringt mich tatsächlich zu dem Anfang meines Artikels zurück, wo ich geschrieben habe, dass viele Menschen grundsätzlich damit zufrieden sind, wenn sich ihr jetziger Zustand nicht verändert, vorausgesetzt, die Grundbedürfnisse sind befriedigt. Dies bedeutet, dass fast niemand ernsthaft auf ein neues Produkt wartet. Niemand wartet darauf, dass ein neues Musikgenre erfunden wird und sich durchsetzt. Beide Aussagen klingen etwas extrem, aber ich möchte betonen, dass du in 99,9% der Fälle mit deinem Projekt starten kannst und keine Angst davor haben musst, dass dich dein Projekt sofort in neue Welten katapultieren wird in denen du nicht klarkommst. Demnach steht weder dein „Ruf“ auf dem Spiel noch wird deine Existenz bedroht. Es wird im Regelfall erstmal überhaupt nichts Schlimmes passieren, wenn du mit deinem Projekt startest. Um kreative Erzeugnisse bzw. neue Produkte weltweit bekannt zu machen werden täglich Millionen und jährlich Milliarden an US-Dollar ausgegeben. Und dies ist noch längst kein Garant für Erfolg. Du wirst mit deinem ersten Schritt in der Welt da draußen keine überwältigende Wirkung erzielen. Dein erster Schritt ist ausschließlich etwas, was dich selber persönlich betrifft. In der Gesamtheit aller Schritte und in der Außenwahrnehmung ist der erste Schritt nichts. Von nichts kommt nichts, also ist die Wirkung deines ersten Schrittes vollkommen irrelevant.
Bzgl. des vierten Punktes möchte ich betonen, dass es neben der sogenannten „Versagensangst“ auch die Angst vor „Erfolg“ gibt. Wenn du erfolgreich bist, dann speichert dein Gehirn diesen Zustand und du musst fortan Energie aufwenden um diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Tust du das nicht, dann lässt der Erfolg nach und du verlässt den bekannten Zustand was sich unangenehm auswirken kann. Hier könnte es dir eine Hilfe sein, wenn du erkennst warum du dein aktuelles Projekt eigentlich betreibst. Hierfür benötigst du Kenntnis über deine Fähigkeiten, deine Talente, deine Interessen, deine Persönlichkeit sowie deine Werte. Wenn hiervon eine Vielzahl mit deinem aktuellen Projekt übereinstimmen, dann wird es dir im Regelfall viel leichter fallen deinen neuen Zustand aufrechtzuerhalten. Wenn dein neues Projekt jedoch nicht in Einklang mit deinem wahren bzw. wirklichen „Selbst“ steht, dann brauchst du im Regelfall vor Erfolg keine Angst zu haben, da der Erfolg in den seltensten Fällen eintreten wird.
Ich bin mir bewusst, dass dieser Artikel einige Aussagen enthält, welche wie ein Ultimatum klingen. So sind sie nicht gemeint. Mir ist es lediglich ein Anliegen, dir begründete Annahmen zu liefern, warum du getrost und völlig angstfrei einfach mit deinem Projekt starten kannst. In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig zu betonen, dass sich sämtliche Ausführungen in diesem Artikel auf die Umsetzung kreativer Projekte oder die Gründung eines Unternehmens beziehen. D. h. du sollst nicht einfach anfangen Drogen zu nehmen, du sollst nicht ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springen und du sollst nichts unternehmen was unmittelbar jemand anderem aktiven Schaden zufügen könnte. Wenn du zu einem der hier genannten Punkte eine Frage oder eine Anregung hast, dann hinterlasse unterhalb dieses Artikels einen Kommentar oder schreibe mir direkt eine Nachricht.
Diesen Artikel habe ich geschrieben, da viele Gründe dagegengesprochen haben, diesen Blog aufzusetzen. Schließlich will ich Dinge „umsetzen“ und nicht darüber „schreiben“. Ich will Musik machen und nicht über Musik „schreiben“. Ich habe (auch gerade in diesem Moment) das Gefühl, dass ich mich zwingend auf einer Seite befinden muss. D. h. entweder ich bin Fußballspieler auf dem Spielfeld oder ich bin der Schiedsrichter. In diesem Zusammenhang wird mir auch der Satz „Wer lehrt hört auf selber zu machen“ zum Stolperstein. Denn wenn ich z. B. in dem Artikel über mein erstes Electro-Album darüber schreibe, dass man Töne und Klänge mit Hilfe eines Frequenzspektrums abbilden kann und wie ein Kompressor funktioniert, dann gebe ich in gewisser Weise Wissen weiter anstatt mir selber Wissen anzueignen welches mir helfen könnte meine Musik zu „verbessern“. In meiner Wahrnehmung könnte sich daraus ein nicht stimmiges Bild von mir als Musiker ergeben. Auf der anderen Seite habe ich meine bisher veröffentlichte Musik nie ernsthaft beworben, wodurch gar kein Bild von mir als Musiker existiert zu dem es überhaupt eine Unstimmigkeit geben könnte. Diese Erkenntnis hat mir geholfen diesen Blog zu starten. Das fühlt sich weder richtig noch falsch an. Aber ich habe jetzt einfach mal angefangen.
